Geschichte des Schmöllner Schützenhauses


 

In alten Niederschriften der 3. Kompanie, und vielen historischen Dokumenten sind interessante Abhandlungen über die Geschichte,das Werden und Vergehen der Heime unseres Schmöllner Schützenwesens enthalten. Hier möchten wir unser zeitaufwendig zusammengetragenes Bild- und Textmaterial euch zur Verfügung stellen.
Am 23.04 1765 erhielt Carl Gottfried Schenke, Zimmermann, die Lehn über einen Platz, 53 Ellen breit und 32 Ellen lang bei der Weihmühle zur Erbauung eines neuen Schießhauses. Er erhielt das Recht, Bier und Branntwein im Sommer und im Winter ausschenken zu dürfen, Bier in die Stadt zu verkaufen, hiesige Personen speisen aber Fremden keine Herberge zu gestatten. Er durfte den Schützen und anderen zur Sommerzeit sich draußen aufhaltenden Personen Essen auf Verlangen verabreichen. Dafür mußte er auf Versprechen eine jährliche Entrichtung von 2 Gulden Erbzins an den Gemeindekasten leisten.

Am 04.04.1793 übernahm der Schwiegersohn Christian Gottlieb Naumann, Schuhmacher, die Gastwirtschaft mit Kegelbahn für 535 Gulden. Davon waren 135 Gulden für das Inventar.

1806 zog am 12.10 ein Kommando von 25 Franzosen vor das Schießhaus. Sie wurden mit Wein bewirtet und erhielten 12 Groschensemmeln.

1811 Die Erben von Christian Gottlieb Naumann, Susanne Rosine verw. Naumann und die unmündigen Kinder Christiane Sophie, Johanna Eleonore, Carl Gottlieb und Friedrich Wilhelm verkauften für 2100 Gulden das Schießhaus und den Auszug, welcher das weitere Wohnrecht beinhaltete, an den Kaufmannsdiener Carl Krippendorf.

Am 12.11.1811 verkaufte Carl Krippendorf für 2100 Reichstaler an den damaligen Ratskellerpächter (29.01.1794 – 1818) und Weinhändler Michael Köhler das unweit der Stadt an der nach Ronneburg führenden Straße das gelegene nun namentlich genannte Schützenhaus mit Wohn- und Seitengebäude und dem besonderen Garten mit der Befugnis “ 1. des freien Bier- und Branntweinschanks zu allen Zeiten ohne das Recht der Beherbergung; 2. des Schießens der Schützen und anderer sich sommerzeitlich dort aufhaltenden Personen.“ Er lies das bisherige Gebäude abreißen und errichtete ein neues Schützenhaus. Das noch nicht fertige Gebäude wurde von den durchziehenden Truppen der Völkerschlacht bei Leipzig als Lazarett genutzt. Die Verstorbenen wurden am Pfefferberg in der Nähe des heutigen Schießstandes, genannt Franzosengraben, beigesetzt.

15.09.1823 Übernahm der Sohn, Johann Friedrich Köhler, das Anwesen für 4000 Taler und gewährte dem Vater das weitere Nutzungsrecht.

Am 15.09.1825 starb dieser im Alter von 65 Jahren. Der Sohn Johann Friedrich Köhler übernahm nun das Erbe. Es schien ihm in Schmölln so zu gefallen, denn er wurde am 14.02.1826 Bürger der Stadt Schmölln. Er starb aber bereits einige Jahre später, so das seine Mutter Dorothea Rosine verw. Köhler geb. Naumann das Geschäft weiter führte.

Am 27.03.1839 kauft der Weißgerber Karl August Bräuning aus Altenburg für 9550 Taler das Schießhaus, wie es auch immer noch genannt wurde. Dieser verstarb im Alter von 40 Jahren am 22.12.1840.

Das Schießhaus übernahm am 19.05.1841 seine Witwe Anna Bräuning geb. Mähler. Sie verkaufte auch guten selbstgebackenen Kuchen in die Stadt, womit sie den Zorn der Schmöllner Bäckerinnung auf sich zog.

1843 übernahm es der Schwiegersohn des obigen Besitzers, der Kammmacher Friedrich Kreß, spätere Totengräber von Schmölln, bis 1845 als Pächter.

Am 29.10.1845 ging es käuflich in die Hände des Ökokom Johann Karl Heinrich Benndorf , dem Vater eines früheren Mitgliedes der schwarzen Jäger-Kompanie, über. Kreß blieb weiterhin Pächter und zahlte an die Rentkammer in Altenburg 15 Taler, an die Schützengesellschaft Schmölln 17 Taler sowie eine jährliche Pacht von 350 Talern an Benndorf.

Dieser verkauft am 22.11.1859 das Anwesen für 7000 Taler an den Tuchmachermeister Julius August Rüger.

1861 – 1867 setzte er den Dosenmacher August Hupfer, den Vater eines ehemals tätigen Klempnermeisters Hupfer in Schmölln, als Pächter ein.

Von 1867 – 1871 lag es zur Bewirtschaftung in den Händen des Stiefsohnes, Gerber Buno Benndorf, Soldat im Krieg gegen Frankreich von 1870/71 .

1871 ging es in den käuflichen Besitz des Herrn Bruno Benndorf, Sohn des oben genannten Herrn Benndorf über, der es in dem alten Baustil, wie er es übernommen, bewirtschafte.

1882 renovierte er dasselbe, setzte 1884 ein Stockwerk darauf, und baute längs der unteren Terrasse eine  Konzerthalle und und bewirtschafte alles bis 1899. Die Räumlichkeiten fassten nun bis zu 900 Personen.

Im Jahre 1899 erwarb es käuflich die hiesige Schützengesellschaft für den Preis von 90.000 M inklusive Inventar.

Der erste Pächter Albrecht aus Wildenbörten schied bald wieder aus.Nach diesem wurde der damalige Stadtrat Friedrich Striegnitz, Hofschuhmachermeister, als Pächter eingesetzt.

In der Nacht vom 5. zum 6. Dezember 1902, einer grimmig kalten Nacht, wurde das Besitztum ein Opfer der Flammen.Man vermutete Brandstiftung. In den Jahren 1903 – 1904 baute es die Schützengesellschaft mit einem Kostenaufwand von 87.109,92 M wieder auf. Der Kostenanschlag war von dem Bauleiter Architekt Trübcher aus Gera auf 60.000 M vorgesehen.

Im Januar wurde der Neubau mit entsprechender Festlichkeit eingeweiht. Erster Pächter wurde der Gastwirt Geipel. In der Nacht vom 5. zum 6. November 1916, nach einer Veranstaltung im Saale, brach wiederum ein Feuer aus, das das ganze Besitztum in Schutt und Asche legte, auch diesmal wurde Brandstiftung vermutet. Die Gesamtversicherungssumme belief sich nach Angabe desKassierers, Herrn Fabrikant Franke, auf 85.000 M auf sämtliche Baulichkeiten.

Von da ab lag es bis nachBeendigung des unheilvollen Krieges als Brandruine da und bereitete der Schützengesellschaft manch schwere Stunde.

Die Männer, die nach Beendigung des Krieges an der Spitze des Schützenbataillons standen, fassten bald den Entschluss, dem Schützenplatz wieder ein würdigesAussehen zu verschaffen.

Wenn auch die Kassen durch das aufhören jeder Vereinstätigkeit während des Krieges geleert waren, ein Zusammenhalt zunächst überhaupt nicht bestand, fanden sich doch zielbewusste Männer zusammen, die trotz der Bedrängnis der Nachkriegsjahre, trotz Marxismus und Vaterlandsverleugnung die alten Ziele der Schützengemeinschaft, die Liebe zu Volk und Vaterland nicht im Strudel der Verwirrung untergehen zu lassen und wollten sich trotz Anfeindungen selbstlos für dieses Ziel einsetzten.

Dank ihrer Tatkraft verschwand die Trümmerstätte der Brandruine, und wenn auch an die Erschaffung eines neuen Heimes zunächst nicht gedacht werden konnte, so fanden noch vorhandene Bestandteile aus Grundmauern usw. Verwendung im Neubau, einer Festhalle und dem späteren „Waldhaus“,das es  gestattete, zu den Festen und Feiern geeignete Gasträume für die Bewirtschaftung der Besucher und Mitglieder bereitzustellen.

 

039

277

 

037

 

036

 

Schützenhaus in Schutt und Asche nach dem 2. Brand 1904

 

Schützenhaus 1904

 

Scannen0003

 

line
footer