Streich der Schmöllner Schützen

Der Streich der Schmöllner Schützengesellschaft

Aman Ullah

 

War der Name des afghanischen Königs. Er besuchte 1928 von Berlin aus weitere europäische Staaten und unter andern die Weltausstellung in Paris. Auf einer weiteren Reise 1930 in Deutschland war er bemüht weitere wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen, warum sollte er dabei nicht auch das Schmöllner Schützenfest besuchen, so meinten einige Mitglieder der hiesigen Schützengesellschaft auf einer Vereinsausfahrt und entwickelten einen geheimen Plan. Als erstes wurde das Gerücht verbreitet, dass zum nächsten Schützenfest Aman Ullah mit seinem ganzen Hofstaat nach Schmölln kommen würde. Auch die Presse beschäftigte sich damit. Es war eine originelle Idee, die in mehreren Wochen heranreifte und Stadtgespräch wurde. Alle Beteiligten bewahrten auch in ihrer unmittelbaren Umgebung darüber Stillschweigen (Ehefrauen eingeschlossen), so dass das Überraschungsmoment ein vollständiges war. Jeder der Zuschauer war anfangs von der Echtheit der Personen überzeugt, zumal sie in wirklichen Gewändern auftraten. Der als Aman Ullah verkleidete Fleischermeister Friedrich Niceus sah dem in der „Leipziger Zeitung“ abgebildeten „echten“ Aman Ullah täuschend ähnlich. Den Hofstaat, wie Minister, Schreiber und Adjutanten stellten verschiedene Mitglieder der Schmöllner Schützengesellschaft dar. Des weiteren gehörten noch drei verschleierte Haremsdamen und drei“ Mohren“ – Pagen dazu. Im Nachhinein erkannte ich auf den Fotos als Darsteller meinen Lehrer Rudolf Henning und den Waldhauswirt Walter Haase, beide waren innerhalb der Schützengesellschaft immer für einen Spaß zu haben, sie organisierten manche humoristische Einlage zu den Vereinsfesten der Schützen. Wie Schwiegersohn und Tochter Friedrich Niceus, Joachim Weiß und Doris Weiß geb. Niceus, berichten, schlüpften alle Akteure in der Kegelbahn der Totenschänke, die dem Schützenmitglied Prösdorf gehörte, in ihre Rollen. Die prächtigen Kostüme wurden vom Altenburger Landestheater ausgeliehen, deren Maskenbildner auch die Verkleidung vervollständigte. Anschließend fuhren sie per Taxe (damals „Mietwagen“ genannt) nach Großstöbnitz, um dort einen , extra dem nach Gera fahrenden Zug angehängten Waggon, zu besteigen. In Schmölln angekommen, verließ man das Erste-Klasse-Abteil und begab sich auf den Bahnhofsplatz, auf dem alle vier Schmöllner Schützenkompanien zur Parade angetreten waren. Begrüßungsreden wurden hin und her gehalten und die Schwägerin des Bahnhofwirtes Reschke reichte dem hohen Gast Aman Ullah einen Begrüßungstrunk. Die großen Gepäckstücke des orientalischen Herrschers kamen aus dem Expressgutraum und wurden auf den Tafelwagen der Firma Graupner, auch Mitglieder der Schützen-Artillerie, geladen. Im Anschluss an diesen großartigen Empfang ging es im Schützenfestzug durch die Stadt zum Schützenplatz an der Ronneburger Straße. Sicher gab es bei den Schützen einen feucht-fröhlichen Ausklang.

 

 

 

 

 

 

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